Wenn externe Faktoren zur Ausrede werden – und interne Potenziale ungenutzt bleiben
Beobachtungen aus der Praxis
Themen die wir alles aus der Praxis kennen und nahezu täglich durch die Medien gehen:
- „Die Energiekosten sind zu hoch.“
- „Die Bürokratie lähmt die Unternehmen.“
- „Die deutsche Industrie steht unter Druck.“
- „Die Arbeitskosten steigen.“
All diese Aussagen sind nicht falsch. Sie beschreiben reale Herausforderungen, mit
denen Unternehmen aktuell konfrontiert sind.
Was jedoch häufig zu kurz kommt, ist der Blick nach innen.
Aus unserer Beobachtung – und vor allem aus unseren Mandaten heraus – zeigt sich immer wieder: Viele Herausforderungen in Unternehmen sind auch hausgemacht.
Wiederkehrende Muster in unterschiedlichen Unternehmen
Was uns besonders auffällt:
Unabhängig von Branche, Unternehmensgröße oder Marktumfeld ähneln sich
bestimmte Verhaltensmuster in Unternehmen erstaunlich stark.
1. Neue Lieferanten – bekannt schlägt besser
Neue Lieferanten werden entweder gar nicht oder nur sehr oberflächlich geprüft und anschließend abgelehnt. Nicht, weil sie schlechter wären – sondern weil sie „nicht so gut bekannt“ sind und zusätzliche Arbeit (Qualifikation, Besuche, etc.) bedeuten.
Dabei bleiben mögliche qualitative Verbesserungen, Innovationspotenziale oder Kosteneinsparungen ungenutzt. Bewährtes wird geschützt, selbst wenn es objektiv betarchtet nicht mehr optimal ist.
2. Ideen von Mitarbeitern – ungewollt oder unbequem
Neue Ideen aus der Organisation scheitern häufig nicht an ihrer Qualität, sondern an
ihrer Herkunft.
- „Das ist nicht meine Idee.“
- „Das bedeutet zusätzliche Arbeit.“
- „Dafür haben wir aktuell keine Zeit.“
Oft geschieht dies ohne:
- fundierte Prüfung
- Business Case
- oder eine ehrliche Bewertung des möglichen Mehrwerts
Die Folge ist gravierend:
Mitarbeiter, die gestern noch engagiert Vorschläge eingebracht haben, tun dies morgen
nicht mehr – oder verlassen im schlimmsten Fall frustriert das Unternehmen
3. Technische Probleme – lieber verwalten als lösen
Technische Schwachstellen werden nicht selten „verschlimmbessert“. Ein typisches Beispiel: Hohe Lagerbestände. Anstatt neue Lösungen zu entwickeln, die Prozesse verbessern und das Unternehmen nachhaltig voranbringen, bleibt man beim Altbewährten – nur um zum Beispiel bestehende Bestände nicht anfassen zu müssen. Der notwendige zweite Schritt – sich strukturiert Gedanken über den Umgang mit dem bestehenden Lagerbestand zu machen – wird vermieden.
4. Meetings als Verhinderungsmechanismus
Endlose Meetings, in denen es hundert Gründe gibt, warum etwas NICHT geht. Erfahrungen aus der Vergangenheit werden dabei häufig als Argument genutzt, um neue Wege gar nicht erst zu prüfen. Vergessen wird dabei: Zeiten ändern sich. Märkte ändern sich. Rahmenbedingungen ändern sich.
Die entscheidende Frage sollte nicht lauten:
„Warum geht das nicht?“
sondern:
„Wie könnte es gehen?“
Das eigentliche Problem liegt nicht nur im Außen
Natürlich beeinflussen externe Faktoren den Unternehmenserfolg. Doch wenn das äußere Umfeld dauerhaft als Begründung für Stillstand oder „Nicht-Handeln“ dient, wird der Blick nach innen vernachlässigt.
Gerade hier liegen oft die größten ungenutzten Potenziale:
- in Strukturen
- in Entscheidungswegen
- in der Unternehmenskultur
- und im Umgang mit Veränderung
Veränderung braucht Raum – und manchmal einen externen Impuls
Ziel sollte es sein, bewusst in neue Ideen zu investieren – und auch einmal vermeintlich „verrückte“ Ansätze zuzulassen.
In einem meiner Mandate haben wir uns mit einem größeren Team für drei Tage
„eingeschlossen“ und einen intensiven Ideen- und Strategie-Workshop durchgeführt.
Das Ergebnis war in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg:
- neue Lösungsansätze
- gestärkte Motivation
- klarere Prioritäten
- und ein gemeinsames Verständnis für die nächsten Schritte
Solche Impulse entstehen selten im Tagesgeschäft – sie brauchen Raum, Struktur und oft auch einen neutralen Blick von außen.
Der Wert des externen Blicks
Als externer Interim Manager sehen wir Dinge, die intern häufig nicht mehr wahrgenommen werden – nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aus Betriebsblindheit, Gewohnheit oder internen Abhängigkeiten.
Ein externer und neutraler Blick:
- sorgt für Klarheit
- hinterfragt Selbstverständlichkeiten
- und hilft, festgefahrene Muster aufzulösen
Fazit
Wer sich ausschließlich auf Hindernisse fokussiert, übersieht häufig seine größten Chancen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entscheidet nicht nur der Markt über den Erfolg eines Unternehmens – sondern vor allem die interne Veränderungsbereitschaft, Haltung und Entscheidungsfähigkeit. Für einen vertiefenden Austausch oder konkrete Fragestellungen stehen wir gerne zur Verfügung.


